
Demodikose beim Hund

Schematische Zeichnung einer Demodexmilbe: Rechts im Bild der Kopf und die 4 Beinpaare, links der lange Rumpf.
In einigen Fällen scheint die Krankheit familiär gehäuft aufzutreten, so dass eine erbliche Komponente der Demodikose vermutet wird. Solche Hunde sollten auch nicht zur Zucht eingesetzt werden und am besten kastriert werden. Folgende Rassen sind besonders häufig von einer Demodikose betroffen: West Highland White Terrier, Shar Pei, Englische Bulldogge, Mops, Scotch Terrier, Boston Terrier, Deutsche Dogge, Weimaraner, Alaskan Malamute und Dobermann.
In anderen Fällen wird die Demodikose durch eine Schwächung des Immunsystems ausgelöst, wie z.B. durch Wurmbefall, innere Krankheiten, das Immunsystem unterdrückende Medikamente, oder aber durch Stress, Läufigkeit oder Geburt.
Wie sieht das Krankheitsbild aus?
Typischerweise präsentieren sich Hunde mit Demodikose mit haarlosen, geröteten, oft schuppenden Hautveränderungen, die zumeist zuerst am Kopf und a den Vorderbeinen auftreten. In den meisten Fällen sind diese Hautveränderungen juckreizfrei, weshalb die Erkrankung oft mit einer Pilzinfektion verwechselt wird. Folgeinfektionen mit Bakterien (Staphylokokken) sind sehr häufig und vermutlich durch den Schaden, den die Milben im Haarbalg anrichten, bedingt. Diese sekundären bakteriellen Hautinfektionen (Pyodermie) können so schwerwiegend werden, dass das Leben des befallenen Hundes gefährdet ist. Im schlimmsten Fall ist mit einer Blutvergiftung zu rechnen. In den meisten Fällen bleibt der bakterielle Infekt auf den Haarbalg beschränkt und ist deshalb mit einer adäquaten Therapie gut zu behandeln. Wenn eine zusätzliche Pyodermie besteht, sind nebst den haarlosen Stellen auch Papeln, Pusteln, Krusten und Juckreiz zu beobachten. Die adäquate Behandlung der Pyodermie ist äusserst wichtig, da die Staphylokokken den Demodexmilben gewissermassen den Weg ebnen und deren Vermehrung begünstigen.
Generalisierte Demodikose
Die generalisierte Form der Demodikose ist eine familiäre Form, weshalb betroffene Hunde und deren Eltern nicht zur Zucht verwendet werden sollten. Generalisierte Formen der Erkrankung betreffen einen Grossteil des Körpers und/ oder die Pfoten. Sie sind in fast allen Fällen mit einer sekundären Pyodermie vergesellschaftet und bedürfen neben der gegen die Milben gerichteten Therapie auch einer antibakteriellen Therapie in Form von Antibiotika und/oder desinfizierender Shampoobehandlung.


Generalisierte Demodikose am ganzen Körper und an der Pfote.

Generalisierte Demodikose am Kopf mit sekundärer Pyodermie: Haarausfall, Krusten, Papeln, Hautrötung.
Lokale Demodikose
Diese Form der Demodikose tritt vor allem bei Welpen und Junghunden auf. In über 90% der Fälle ist diese Form selbstheilend und bedarf keiner Behandlung. Oft wird die Erkrankung vom Besitzer gar nicht bemerkt, da die Veränderungen sehr subtil sind (z.B. leichte Brillenbildung um die Augen mit Haarausfall, leichte Lefzenfaltenentzündung, haarlose Stellen im Gesicht oder an den Beinen) oder werden dem Tierarzt nicht gezeigt, da sie den Hund nicht stören und meist schon wieder auf dem Weg der Abheilung sind, bevor ein Tierarzttermin ausgemacht wurde. Oft werden diese Hautveränderungen als Pilzinfektion missinterpretiert.


Lokalisierte Demodikose mit Haarausfall rund um ein Auge und an einem Hinterbein.
Wie ist die Prognose?
Bei Hunden mit lokaler Demodikose ist die Prognose äusserst günstig. Über 90% der Fälle heilen ohne jegliche Behandlung ab. Ein Rückfall ist extrem selten.
Bei generalisierter Demodikose ist die Prognose vorsichtig bis günstig zu stellen. In der Regel günstig bei konsequenter Behandlung. Die Therapie nimmt meist mehrere Monate in Anspruch. Bei Junghunden mit generalisierter Demodikose ist ein Abheilen fast immer möglich. Bei alten Hunden, die an Demodikose erkranken, ist die Heilung abhängig von der erfolgreichen Behandlung der Grundursache, die verantwortlich ist für die Unterdrückung des Immunsystems, welche das Erkranken an Demodikose erst möglich gemacht hat.

Mikroskopische Ansicht einer Demodexmilbe nach einem Hautgeschabsel.
Wie kann die Demodikose diagnostiziert werden?
In den meisten Fällen wird die Diagnose mit einem tiefen Hautgeschabsel und anschliessender mikroskopischer Untersuchung gestellt. In speziellen Fällen können aber auch Hautbiopsien und eine histopathologische Untersuchung notwendig sein, speziell beim Shar Pei, der sehr tief liegende Haarfollikel hat, oder auch wenn die Pfoten befallen sind.
Was ist die Ursache?
Die Demodikose oder Haarbalgmilbenerkrankung wird durch kleine, von blossem Auge nicht sichtbare Milben namens Demodex canis ausgelöst. Diese Milben parasitieren in der Tiefe der Haarwurzel, in den Haarfollikeln und in den Talgdrüsen. Alle Hunde haben eine kleine Population an Demodexmilben, aber nur bei gewissen Tieren kommt es zum Ausbruch einer Erkrankung durch eine massive Vermehrung der Milbenpopulation. Die Erkrankung ist nicht ansteckend.
Wie wird die Demodikose behandelt?
Die Behandlung der Demodikose ist abhängig vom Schweregrad der Hauterkrankung, dem Alter des Patienten, sowie der Präsenz von Sekundärinfektionen. Die lokale Form ist in über 90% der Fälle selbstheilend und braucht nicht zwingend immer eine Behandlung. Die generalisierte Form bedarf einer Behandlung.
Die Behandlung der Demodikose hat sich in den letzten Jahren deutlich gebessert. Häufig wird die Demodikose effektiv mittels Tabletten der Wirkstoffgruppe der Isoxazoline behandelt. Diese Tabletten werden auch als Ektoparasitenprophylaxe gegen Zecken, Flöhe und Milben eingesetzt. Aufgrund dieser Medikamente tritt die Demodikose heute in der Schweiz viel seltener auf als früher. Schwere generalisierte Formen wurden ausgesprochen selten. Alternative Behandlungsmöglichkeiten bei nur leichten Fällen sind spot-on Präparate (Moxidectin/Imidacloprid).
Sekundäre bakterielle Infektionen (Pyodermie) werden mittels antibakteriellen Shampos behandelt. Eine Antibioikatherapie mit Tabletten ist nur bei schweren/tiefen Infektionen nötig.
Bei der Behandlung der Demodikose sind regelmässige Nachkontrollen essentiell (ca. einmal monatlich). So kann eine mögliche Verschlimmerung und Ausbreitung der Krankheit frühzeitig erkannt werden.
